Die Zeit – Das Kongo-Wahl-Tagebuch
Merlix, Mann der Herzdame, Kämpfer im Bett und Baströckchen-Herbeischreiber hat ein Kongo-Blog ausgegraben, das man als Leseempfehlung sehr ans Herz legen kann.
Die Zeit: Das Kongo-Blog
Andrea Böhm, ZEIT-Redakteurin, berichtet im Tagebuch-Stil über ihre Eindrücke im Kongo.
Wir erinnern uns, dort ist Wahl am Sonntag. Es sind gerade eben erst fünf Artikel verfügbar, aber die haben es bei aller lakonischen Leichtigkeit der Schreibe in sich.
Update 6.12.2006: Wenn ich richtig gezählt habe, dann sind bis zum 29.11.2006 22 lesenswerte Beiträge und eine Urlaubsmeldung, auf dem Kongo-Blog der Zeit zusammen gekommen. Wer sich also ein wenig für die Einführung der Demokratie im Kongo interessiert, der sollte mal wieder beim Kongo-Blog vorbei schauen.
(Quelle: Berliner Umschau – Zeit des Umschwungs im Kongo) (...) Seit der Erlangung der Unabhängigkeit von Belgien am 30. Mai 1960 gab es keine Wahlen mehr im Kongo – der Urnengang, aus dem Patrice Lumumbas Partei MNC als Siegerin hervorging, fand wenige Tage vor diesem Datum statt. Nun erlangte Joseph Kabila das erste, durch universelle, freie Wahlen legitimierte Präsidentschaftsamt und setzte sich gegen seinen schärfsten Konkurrenten Jean-Pierre Bemba durch. (...)
So fängt es bei Andrea Böhm an:
Eigentlich hatte ich mir geschworen, nie ein solches Flugzeug zu betreten. Ein russisches Propellermodell, geschätztes Baujahr 1976, gefühltes Baujahr 1946. Aber es ist die einzige Möglichkeit, nach Kamituga zu kommen, einer Goldgräber-Stadt in Süd-Kivu, 140 Kilometer von Bukavu entfernt. Mit dem Auto dauert die Reise zwei Tage, mit dem Flugzeug zwanzig Minuten – und von Bukavu nach Kamituga fliegen nur ukrainische Piloten mit ihren hellbraunen Herrensandalen und verbeulten Maschinen. (...)
Die kongolesische Lehre ihres ersten Tages ist:
(...) Die Grenzen zwischen Bestechung und Überlebenskunst sind fließend in einem Land, wo man am Morgen nicht weiß, ob man bis zum Abend etwas gegessen haben wird. Das gilt auch für die unermüdlichen Marschierer, die draußen vor der Tür auf Freibier und Palmwein warten. Doch genau das hat Kibalas Wahlkampfkomitee in der Eile vergessen. Also kriegen die verschiedensten Gruppen Geld, um sich für den Abend selbst zu versorgen. Denn wenn die Leute in der Stadt herumerzählen, „dass es bei Kibala nichts zu trinken gibt“, sagt Kibala, „dann habe ich schon verloren.“
Lesenswert!
Sankt-Georg.Info: In eigener Sache
Kurze Artikel werden ab sofort komplett auf der Frontseite angeboten. Nur falls sich jemand wundert, dass der auffällige ‚weiter lesen‘ Hinweis manchmal fehlt. Tipp: Ein Klick auf die Artikel-Überschrift bewirkt übrigens dasselbe :-)